Sauerkraut hobeln gegen den Winterblues

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Zugegeben, ich habe Ostwestfalen eher mit einem lachenden Auge verlassen, als ich  in die Schweiz zog. Hier haben wir die Berge zum Wandern und Skifahren, Seen zum Baden, grüne Hügel, auf denen hübsche braune Kühe grasen  und dank mildem Klima Feigen und Palmen in den Gärten. Das Tessin mit all den italienischen Köstlichkeiten nicht weit. Was ist dagegen die flache Senne mit viel Sand und kulinarischen Highlights wie Wurstebrei und Pfefferpotthast? 😉

Jedoch  -jedes Jahr- Anfang November, legt sich der Nebel über unseren See und manchmal sehen wir die Sonne für Wochen nicht. Da denke ich immer an unsere Sauerkrautabende in Hövelhof und es befällt mich fast so etwas wie Heimweh…Unsere Nachbarn kauften Unmengen Kohlköpfe und wir trafen uns auf der Terrasse von Luise und Klaus mit  mehreren Familien. Die Männer teilten den Kohl und hobelten ihn auf grossen Krauthobeln. Wir Frauen stampften das Kraut in unseren Tontöpfen bis uns warm wurde! Zur Belohnung gab’s wetfälischen Korn und die Welt war in Ordnung. Liebe Luise , lieber Klaus –  ich denke oft an Euch und die Sauerkrautabende! Und dieses Jahr – mit Blick in das Grau- beschloss ich Sauerkraut zu machen . Ganz allein.

Kleinen Sauerkrauttopf (6l) aus dem Keller geholt, 8 kg Kohl gekauft und versucht mit Sicherhautshandschuh auf der Haushaltsreibe zu hobeln. War mühsam, bis mir meine Schneidemaschine einfiel. Das klappte hervorragend! Kraut fein schneiden und mit  16-20 g Salz pro Kilo und einigen Wachholderbeeren stampfen. Bei diesen kleinen Portionen lässt sich das Kraut auch gut mit der Hand kneten bis Flüssigkeit austritt und sich leichter Schaum bildet. Dann ab in den Sauerkrauttopf, fest nach unten pressen, mit Teller oder Brett beschweren, damit das Kraut immer mit Flüssigkeit bedeckt ist. In den Topfrand gebe ich Wasser, Deckel drauf und damit ist das Kraut luftdicht abgeschlossen

Ich habe den Topf in unsere Gästetoilette gestellt. Sie ist gut durchlüftet und die Temperatur (Anfangs 18 – 20 Grad) passt. Keller, Garage, Gartenhaus geht auch. Umso kühler die Temperatur, desto langsamer schreitet der Gärungsprozess fort. Sobald er einsetzt geht es schnell und es dauert ca  6 Wochen bis das Sauerkraut essbereit ist. Während der Gärung steigt die Flüssichkeit hoch und kann überlaufen. Ich säubere den Topfrand von Zeit zu Zeit und giesse neues Wasser in die dafür vorgesehene Rinne (so bleibt der Topf luftdicht). Das Kraut ist fertig, wenn sich keine Luftblasen mehr bilden und keine Gärung mehr stattfindet. Man kann es im Topf lassen und portionsweise entnehmen oder direkt in Portionen aufteilen. Ich vakumiere es und lagere es kühl.

Ich habe auch eine Version für kleinere Mengen ausprobiert:

Gestampftes Kraut direkt in grosse Einmachgläser oder Gurkengläser füllen. Frischhaltefolie fest darüberziehen und mit dem Deckel verschliessen. Am besten in eine Schüssel stellen, da bei der Gärung etwas überlaufen kann und NIE zwischendurch öffnen. Meine Gläser sehen gut aus – ich hab sie aber noch nicht probiert. Eva hat ein Glas ergattert und wird sicher bald ein Rezept mit hausgemachtem Sauerkraut posten.

Den Topf habe ich nach den üppigen Weihnachtstagen geöffnet und einen Sauerkrauttag eingelegt. Es enthält nur 17 Kcal/100gr ,  u.a. viel Vitamin C und Vitamin B12 (wichtig für Veganer) und sorgt durch die Milchsäurebakterien für eine gute Verdauung. Und natürlich schmeckt es tausendmal besser als gekauftes Kraut!

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